Der Koloss von Gosselies

Lefort lud im Mai seine Kunden zum Firmensitz in Gosselies ein. Präsentiert wurde die neue Koloss-Maschinenreihe und – als „Star“ des dreitägigen Events – der Koloss 1300BL. Die neueste Multiblock-Schrottscherenpresse des belgischen Herstellers mit einer Schneidkraft von 1.300 Tonnen schließt eine Kapazitätslücke im Markt.

Belgien ist nicht nur für Spitzenklöppelei-Erzeugnisse, Schokolade, Pommes Frites und Kult-Comics bekannt, sondern auch für soliden Maschinenbau und innovative Anwenderlösungen im Bereich Metallrecycling. Seit über 70 Jahren ist das Familienunternehmen Lefort ein führender Hersteller von Schrottscheren- und -pressen, Verdichtungssystemen und Shreddern in stationärer, portabler und mobiler Ausführung. Was das Stammwerk in Gosselies dabei besonders auszeichnet, ist die Fertigungstiefe – eine vollintegrierte Fertigung von der technischen Planung bis zur Auslieferung. Davon konnten sich die Teilnehmer der Lefort-Kundentage vom 14. bis 16. Mai 2019 (jeweils für die französisch-, englisch- und deutschsprachigen Kunden) überzeugen. EU-Recycling war an Ort und Stelle.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Präsentation der neuen Koloss-Maschinenreihe – die größten Schrottscherenpressen im Lefort-Lieferprogramm mit einer Schneidkraft von 1.000 bis 1.600 Tonnen – und die Markteinführung des neuen Koloss 1300BL, der live in Aktion und in der Ausführung mit separatem Steuerhaus gezeigt wurde. Das Kürzel BL steht für Vorverdichtung mittels Seitendruckschieber (BL Box). Den Koloss Typ 1300 gibt es aber auch mit Flügelpressdeckel (TS Box). In dieser Variante – Koloss 1300TS – wird der Schrott zuerst mittels zwei kräftig dimensionierten, gewölbten Deckeln vorverdichtet und dann mit dem Scherenkopf abgelängt oder zu einem Ballen weiterverdichtet.

Eine noch effektivere Verdichtung

Lefort hat in den letzten drei Jahren den Koloss weiterentwickelt und die Performance und Produktivität der Maschinenreihe erhöht und gesteigert. So wurde auch bei den Multiblock-Modellen Koloss 1450BL und 1600BL der Presskasten vergrößert: Er ist jetzt zehn Meter lang und 2,6 Meter breit. Je nach Baugröße und Aufgabematerial haben die Koloss-Scherenpressen eine Durchsatzleistung von 25 bis 70 Tonnen in der Stunde. Selbst schwierigster Schrott wird schnell und effizient verarbeitet, versichert der Hersteller.

Der Koloss 1300BL stellt eine komplette Neuentwicklung dar, was insbesondere den Presskasten – auch Pressbett genannt – und den Scherenkopf des Maschinentyps anbelangt. Wie Peter Wilbert, Geschäftsführer Lefort Deutschland GmbH, bei der Vorführung der Scherenpresse auf dem Werksgelände erläuterte, gibt es im Markt wachsenden Bedarf nach Scherenpressen mit 1.300 Tonnen Schneidkraft. Der imposante, 325 Tonnen schwere 1300BL schließt eine Kapazitätslücke zwischen den Koloss-Baureihen mit 1.000 und 1.450 Tonnen Schneidkraft.

Die optimierte Kinematik speziell des Pressdeckels ermöglicht eine noch effektivere Verdichtung des Aufgabematerials. Der vergrößerte Deckel (Breite: 1.700 mm) drückt jetzt tiefer in den Presskasten (900 x 750 x 8.000 mm; geöffnete Presskastenbreite: 2.350 mm). Peter Wilbert zufolge kann dadurch der Pressstrang bestens ausgenutzt werden: Je praller der Strang, desto höher ist die erwartete Produktionsleistung. Das Material wird mit einer Vorschubkraft von 180 Tonnen ideal für den anschließenden Schneidvorgang verdichtet.

Je nach Materialinput setzt der Koloss 1300BL pro Stunde 35 bis 50 Tonnen Schrott durch. Die Scherenpresse ist standardmäßig mit zwei Dieselmotoren (2 x 400 PS) ausgerüstet. Auch 2 x 600 PS Dieselmotoren können eingesetzt werden. Ein elektrischer Antrieb (optional 2 oder 3 x 200 kW Elektromotoren) ist ebenfalls verfügbar. Die Standardausstattung umfasst außerdem ein automatisches Schmiersystem für den Scherenkopf und natürlich die von Lefort eigens gefertigten hydraulischen Zylinder.

Materialverklemmungen schließen sich aus

Neuartige Profilbleche im Bereich des Niederhalters und des Scherenständers schließen Materialverklemmungen in der Bewegung des Niederhalters zuverlässig aus. Nach den Erklärungen von Peter Wilbert pendeln sich im Prinzip Kleinmaterialien durch die Bewegung selbst aus dem Profilblech aus. Die Presskasten-Ausführung mit Torsionsrohr als Vorrichtung reduziert den Schubladeneffekt und stellt sicher, dass die Presskraft beider Zylinder auch über die gesamte Presskasten-Länge symmetrisch auf das Material verteilt werden kann. Die Führungslänge des Messerschlittens ist auf 2,6 Meter vergrößert worden. Lefort fertigt die rechteckige Profilform der Führungsleisten selber. Das hat den Herstellerangaben zufolge den Vorteil, dass Nachstellungen einfach realisiert werden können, was den Wartungsaufwand deutlich reduziert. Sämtliche Wartungspunkte der Maschine sind ohnehin leicht zugänglich. Beim Messerwechsel können diese einfach von der Rückseite herausgelöst werden. Optional erhältlich sind Seitenschilde – um den Presskasten zu erhöhen –, Vorsortiertisch und hydraulischer Trichter. Auch kann bei der Schrottscherenpresse Koloss 1300BL oberhalb des schwenkenden Deckels zusätzlich eine Traverse angebracht werden, die verhindert, dass sich Material verklemmt.

Lefort stellt auf der RecyclingAktiv 2019 vom 5. bis 7. September in Karlsruhe aus. Präsentiert wird eine Trax 600 Schrottschere auf Raupenfahrwerk. Trax-Mobilmaschinen erlauben eine bessere Umschlaglogistik. So muss das zu verarbeitende Material nicht extra von der Anfallstelle zur Schrottschere transportiert werden.

EU-RECYCLING 08/2019