Lefort Deutschland punktet mit kurzen Lieferzeiten und Servicewegen

Das 2018 gegründete Tochterunternehmen des belgischen Herstellers von Schrottscheren und -pressen ist erfolgreich gestartet. Lefort baut seinen Bekanntheitsgrad in der DACH-Region weiter aus.

„Als am 15. August letzten Jahres die Möbel geliefert wurden, konnten wir die neuen Büroräume in der Timmerhellstraße 26 in Mülheim an der Ruhr beziehen – mit unter anderem Oryx Stainless, TSR Group und Paul Jost als prominenten Nachbarn im umliegenden Gewerbegebiet.“ Das erzählte Peter Wilbert, Geschäftsführer von Lefort Deutschland GmbH, im Gespräch mit EU-Recycling am Standort; und von anfänglichen Herausforderungen und Lernprozessen, wie sie für jedes Startup gang und gäbe sind: „Die ersten Wochen verbrachten wir damit, uns zu organisieren.“

Nachdem Administration und Infrastruktur standen, konnte die jüngste Lefort-Tochter ihre Aktivitäten voll entfalten und alsbald Aufträge generieren. Ob Neu-, Gebraucht- oder Mietmaschinen: Lefort Deutschland verantwortet die gesamte Produktlinie des belgischen Herstellers von Schrottscheren und -pressen sowie Shreddern – inklusive Ersatz- und Verschleißteil-Service. Und kurze Lieferzeiten und Servicewege kommen auch bei den Kunden in der DACH-Region gut an. Das leistet seit über 70 Jahren das traditionelle Familienunternehmen Lefort mit seinen innovativen Anwenderlösungen im Metallrecycling und seinem Stammwerk in Gosselies in Belgien mit hoher und vollintegrierter Fertigungstiefe – von der technischen Planung bis zur Auslieferung.

Ein „aktives Vertriebsmittel“

„Das ist ein echtes Pfund, mit dem wir wuchern können“, betont Thomas Ressel. „Werke mit dieser Fertigungstiefe gibt es in unserer Branche nicht mehr oft.“ Der Vertriebsleiter von Lefort Deutschland verweist dabei auch auf die Zielsetzung der Unternehmensgründung: Die Marke Lefort im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen und ihre Wahrnehmung zu erhöhen. In den Benelux-Ländern, Frankreich, Großbritannien und auch Nordamerika ist Lefort ein führender Marktteilnehmer. Deutschland, Österreich und die Schweiz sollen nun folgen. In Osteuropa ist die Marktpräsenz unterschiedlich ausgeprägt, und zum Beispiel in China will Lefort ganz bewusst nicht aktiv werden. Mülheim an der Ruhr wurde auch deshalb als Standort gewählt, weil man von dort aus nur zweieinhalb Fahrtstunden zum Lefort-Werk braucht und daher Interessenten relativ schnell und einfach zu Besichtigungen einladen kann. Für Peter Wilbert ein „aktives Vertriebsmittel“: Die Kunden können sich direkt bei Lefort vom Produkt- und Leistungsportfolio des Herstellers überzeugen. „Lefort ist stolz auf seine Fertigungstiefe, und das strahlen auch die Macher im Werk aus“, hat Wilbert schon selbst erlebt.

Bei unseren Besuch lernen wir auch zwei neue Servicekräfte im Team von Lefort Deutschland kennen: Christopher Dellwisch und Raphael Hamel, Servicetechniker und Servicemonteur im Kundendienst. Beide Neuzugänge kommen aus der Recyclingszene und verfügen über spezielles technisches Know-how, was nach den Erfahrungen von Wilbert selten sei, und werden noch durch zwei Kollegen im Außendienst unterstützt. Servicemonteur Raphael Hamel arbeitet überwiegend vom Homeoffice in Kassel aus.

Dem Masterplan voraus

Was die Geschäftserwartung für dieses und die nächsten Jahre angeht, wähnt sich Lefort Deutschland auf einem guten Weg und dem mit der Muttergesellschaft verabredeten Masterplan voraus. Die bislang generierten Aufträge brachten auch schon Neukunden. Peter Wilbert schätzt die Schrottmarktlage in nächster Zeit als stabil ein. Der Geschäftsführer und Diplomingenieur glaubt auch, dass mittelständische und familiengeführte Unternehmen wie Lefort besser und schneller auf Veränderungen im Markt reagieren können. Bei den großen Konzernen seien die Entscheidungswege viel länger. Hinzu komme oft ein Wasserkopf an Bürokratie. Ein Konzern würde seiner Meinung nach in schlechten Auftragszeiten die eigene Ersatzteil-Lagerhaltung als Kostenfaktor sofort streichen.
Besonders stolz ist Peter Wilbert auf den Servicebereich und erklärt: „Wir punkten mit kurzen Lieferzeiten und Servicewegen. Das ist wieder der große Vorteil der naheliegenden Fabrik und des dort vorgehaltenen Ersatzteillagers. So sind im ERP-System, das den Lefort-Töchtern zugänglich ist, für jedes Teil die Lieferzeiten hinterlegt. Das haben wir bei anderen und großen Herstellern der Branche, für die wir früher tätig waren, nicht so erlebt. Diesen Unternehmen ist es nicht gelungen, in so kurzer Zeit zu liefern.“

„Prima, dass ihr da seid!“

„Wir erfahren, dass Kunden sagen: So schnell habe ich noch nie ein Ersatzteil für meine Schere bekommen“, stellt Thomas Ressel fest. „Und die Kunden bestellen oft nicht in weiser Voraussicht, dass sie dann und wann ein Ersatzteil benötigen, sondern vielfach sehr spontan und wenn die Maschine auszufallen droht. Es ist uns schon ein paar Mal erfolgreich gelungen, eine wirklich kurze Lieferzeit zu ermöglichen.“ Zylinder auch für 30 und 40 Jahre alte Maschinen können zum Beispiel innerhalb einer Woche gebaut und geliefert werden.

Bis zur Gründung von Lefort Deutschland wurden die Kunden in der DACH-Region von einer belgischen Vertriebsfirma betreut. Verständigung war hier kein Problem, aber Peter Wilbert hört doch oft: „Prima, dass ihr da seid!“ Es komme sehr gut an, dass es jetzt einen deutschen Ansprechpartner gibt, der sich auch um das Mietgeschäft von Lefort kümmert. So können Kunden bestimmte Maschinen über einen gewissen Zeitraum ausprobieren und darüber ihren tatsächlichen Einsatzbedarf ermitteln: Lohnt es sich, die Maschine zu kaufen? Ein weiterer Vorteil ist, dass, wenn die Großmaschinen im Betrieb in Revision gehen – das ist in der Regel einmal im Jahr der Fall –, sie oft für fünf bis sechs Wochen stillstehen. Mit den Mietmaschinen lässt sich dann der Ausfall auffangen und kompensieren. Mit dem Mietvertrag ist ein Wartungsvertrag verknüpft, und Lefort Deutschland organisiert auch den Transport der Maschinen zum Einsatzort. Eine Einweisung ist hier immer dabei. Die Lefort-Akademie in Belgien bietet zudem Schulungen für neue Mitarbeiter. „Lefort will für seine Maschinen gut ausgebildete Leute“, fasst Peter Wilbert zusammen.

Produktlaunch im Mai

Mitte Mai 2019 lädt Lefort nach Gosselies ins Stammwerk zu einem dreitägigen Event ein – jeweils ein französischer, englischer und deutscher Kundentag (16. Mai) auf persönliche Einladung. Vorgestellt wird hier eine neue Schrottschere aus der Koloss-Baureihe (Multibloc-Maschine) mit einer Schneidkraft von 1.300 Tonnen und neu konstruiertem Pressdeckel zur Verdichtung des Materials.

Auf der recyclingAktiv 2019 vom 5. bis 7. September in Karlsruhe wird Lefort eine neue Schrottschere der Serie TRAX auf Kettenfahrwerk präsentieren, die eine kostengünstigere Umschlag-Logistik auf den Schrottplätzen verspricht: Der Anwender kann den Schrott auf dem Platz vorsortieren und fährt dann mit der Maschine zum Material – und nicht umgekehrt.

Foto: Marc Szombathy
(EU-Recycling 05/2019, Seite 18)